Nachricht ins Glück

Nachricht ins Glück

Sensibel - aber kein Weichei. Zielgerichtet - aber kein Macho.
Ich mag es, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Vielleicht bist du einer davon?

 

Nachdenklich starrte ich auf die Beschreibung und spürte ein merkwürdiges kleines Kribbeln in meiner Bauchgegend. Woher kam das bloß? Diese vier Sätze waren kurz und knapp, kaum durch andere Informationen ergänzt und doch sprachen sie mich an. Logik - Fehlanzeige. Aber immerhin war ich hier nicht auf der Suche nach sinnhafter Beschäftigung, nicht wahr?
»Was meint er wohl mit Gleichgesinnten?«, murmelte ich leise vor mich hin. Das war wohl der größte Reiz an seiner Beschreibung. Wer war gleichgesinnt? Ein sensibles Nicht-Weichei mit zielgerichteten Wünschen? Ein Nicht-Macho mit Redebedarf? Ein sexuell frustrierter Freak?
Ja, mein Herz klopfte ein bisschen schneller. Nicht wegen des Freaks, natürlich, sondern weil mich die Neugierde erfasste. Ich wollte wissen, wer sich hinter dieser kryptischen Beschreibung verbarg - und das war so ziemlich die positivste Tatsache des Tages, denn schon seit einer Weile gab es nicht viel, was mich begeisterte.
Nachdenklich starrte ich den Bildschirm meines Laptops an, der schräg auf meinen Oberschenkeln ruhte. Ich lag im Bett, einige Kissen in meinen Rücken gestopft und die Beine aufgestellt. Auch wenn die Position alles andere als gemütlich aussah - so hatte ich am wenigsten Beschwerden.
Es hatte vor etwa zwei Wochen angefangen. Ein ziehender, stechender Schmerz in meinem unteren Rücken. Ein paar Tage lang hatte ich es abgetan, hatte ein paar Ibuprofen eingeschmissen und meinen Alltag noch einigermaßen bewältigt, doch dann war es zu viel geworden. Mein Arzt hatte mir - ein wenig ratlos zu Beginn - diverse Spritzen in den Rücken gejagt und eine Entzündung im unteren Gelenk festgestellt. Weitere Schmerzmedikamente und Schonen inklusive. Ich bin nicht unbedingt der Typ Mensch, der ständig auf Achse ist, aber dieses Liegen und Schonen drückte mir doch sehr schnell aufs Gemüt, und eine Unruhe, die ich nur selten an mir erlebe, erfasste mich.
Es war die Idee einer Freundin, mich bei dieser Online-Plattform anzumelden. Die meisten hätten sie wohl als Singlebörse abgetan, doch tatsächlich ging es hier in erster Linie um einen Austausch, um Chats, »Online-Brieffreundschaften«. Wenn sich daraus mehr ergab - wieso nicht? Ich hatte zwar nicht das Bedürfnis nach einem »mehr«, das überließ ich gerne anderen, doch letzten Endes bestimmte ich ja auch, wo es langging. Und die Hauptsache war eine Ablenkung von meiner derzeitigen Lage. Ich hatte genug Pillen geschluckt, war noch einmal zur Toilette gekrüppelt und hatte mich mit ausreichend Getränken und Salzstangen versorgt, sodass ich die nächsten Stunden nicht würde aufstehen müssen. Einerseits eine Situation, die mich in den letzten Tagen schier an den Rand der Verzweiflung gebracht hatte, andererseits gerade genau das Richtige, denn ich gehörte nicht zu dem Typ Mensch, der sich gerne mit Fremden unterhielt. Ob digital oder real spielte da keine große Rolle, auch wenn ich zugeben musste, dass die Hemmschwelle in der digitalen Welt zumindest geringfügig niedriger war - und deshalb saß ich nun hier.
Meine Finger schwebten über der Tastatur. Sollte ich es wirklich tun? Es war so typisch für mich, dass mich kurz vorher doch noch Zweifel ergriffen. Dabei hatte ich rein gar nichts zu verlieren. Fand ich ihn oder seine Interessen doof, beendete ich das Gespräch. Im Zweifel gab es sogar eine Blockier-Liste, über die ich mich schützen konnte, wenn er wirklich ätzend war - und ich konnte ihn melden.
Ich hatte mich äußerst penibel schlaugemacht, ja.
»Na gut, ich mache es einfach. Irgendwie muss ich meine Zeit doch herumbekommen«, murmelte ich schließlich trotzig und kniff meine Augenbrauen angriffslustig zusammen. Dass ich begann, mit mir selber zu reden, und das auch noch laut, war ein Problem, mit dem ich mich wann anders beschäftigen konnte. Nun zählte der gegenwärtige Zeitvertreib.
Mehr oder weniger entschlossen tippte ich schließlich auf das kleine Symbol mit dem Briefumschlag, wodurch sich ein separates Nachrichtenfenster öffnete. Der erste Schritt war getan, und das war auch gut so, denn so weit war ich bisher noch nicht gekommen. Die eigentliche Arbeit begann jedoch erst jetzt.

Schreiben - das ist mein Traum, mein Lebensinhalt. Seit 2013 veröffentliche ich meine Geschichten. Weil es Spaß macht und weil ich euch schöne Stunden bescheren möchte!

Mein Leitspruch:


"Wenn du es träumen kannst, kannst du es auch tun."
(Walt Disney)

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